Busfahren

Mal wieder ein Bericht ohne Photos, allerdings ist da so einiges, was schon lange darauf wartet, gesagt zu werden!

Ich will ja nicht kleinlich sein, die Fahrweise hier unten ist nun mal sehr suedländisch, daran gewöhnt man sich schnell, auch das phantasievolle Parken versucht man einfach vom positiven Standpunkt (es passen einfach mehr Autos pro m² hin) aus zu sehen und die Nachteile zu vernachlässigen, meine (inzwischen bunt) lackierte Stossstange ist ein Beweis dafür. Kleinigkeiten wie der Mopedfahrer, der bei rot quer über eine Kreuzung fährt, die in jede Richtung zweispurig ist, plus Abbiegerspuren, also sowas wie Friedberger Landstrasse Ecke FH (für Frankfurter Ortskundige), sind halt mal Highlights zwischendrin. Auch aber was die hier Busfahren nennen, das ist ein eigenes Kapitel wert. Hier einige Postulate, die Busfahrer hier als Aufnahmebedingung durchlesen müssen, die sich einem Neuankömmling aber erst nach und nach eröffnen:

  • 1. Ein Busfahrer kann auch busfahren, wenn er dabei raucht und gleichzeitig telefoniert!
  • 2. Die mögliche Höchstgeschwindigkeit steigt proportional zur Anzahl der Fahrgäste (umfallen geht ja irgendwann nicht mehr)!
  • 3. Ist eine rote Ampel in Sichtweite, gibt man nochmal so richtig Gas um dann die Bremsanlage zu testen!
  • 4. Ein Kreisel, bei dem man nicht mindestens zweimal (rein- und rausfahren, evtl. noch die Insel in der Mitte) mit mindestens einer Achse seiner Wahl einen Bordstein mitgenommen hat, ist kein Kreisel!
  • 5. Nimmt man mit dem letzten Teil des Busses (ich rede von Gelenkbussen, die mit der Zieharmonika in der Mitte) einen Bordstein mit, sind Seitensprünge von locker 50cm drin!
  • 6. Ein Fahrgast hat zwei Hände, zwei Füsse und Zähne. Damit kann er sich ausreichend festhalten!
  • 7. Auch ein sitzender Fahrgast kann sich bei Bedarf mit beiden Händen festhalten!
  • 8. Fliehkräfte sind dazu da, sie bei jeder Gelegenheit dem zahlenden Publikum zu demonstrieren!
  • 9. Gelenkbusse können nicht kippen, auch in Kurven nicht, sie neigen sich zwar wie eine Ente, aber sie können definitiv nicht kippen!
  • 10. Gasgeben kann man auch schon, wenn die Türen noch offen sind, die Ingenieure haben eh was eingebaut, dass das Losfahren bei offenen Türen verhindert.
  • 11. Gasgeben lohnt sich immer!                                                                           AKTUELL zu den Bauarbeiten:
  • 12. a) Keine Gasse ist zu eng für einen Gelenkbus!
  • 12. b) Wenn man die Luft anhält, kommt man schon durch!
  • 13. Grosse Absperrungen aus Kunststoff kann man wunderbar wegrammen, sie fliegen bis zu drei Meter!
  • 14. Kommt irgend ein grosses Hinderniss entgegen und es könnte knapp für beide werden, durchzukommen, fahren wir erstmal soweit es geht, dann schauen wir, wie wir da wieder rauskommen!
  • 15. Wenn Du keine Lust hast, an den nächsten drei Haltestellen zu halten, denk Dir eine blöde Entschuldigung aus (?hier drückt immer jemand auf Halten, ich dachte es wäre eine Verarschung?) und fahr einfach durch, geht schneller und den Fahrgästen tut Laufen sowieso mal ganz gut!
  • 16. Parken Autos an der Bushaltestelle (Normalzustand!) ignoriere ich sie, fahre ganz dicht dran, so dass diejenigen, die aussteigen wollen, sich so zwischen Bus und Auto durchquetschen müssen, dass das Auto zumindest ein paar Kratzer abbekommt!
  • 17. Wer die Strecke (ca. 30 min, normal) nachweislich  in weniger als 15 Minuten schafft, bekommt beim jährlichen Betriebsfest die ersten zehn Bier umsonst!
  • 18. Wenn man von Zeit zu Zeit die Bremse aus fadenscheinigen Gründen mal kurz antippt, fördert das die Kommunikation und das Zusammenleben unter den Fahrgästen ungemein!
  • 19. Lenkmanöver in letzter Sekunde haben den selben Effekt!
  • 20. Wer bremst verliert!
  • Kein Wunder, dass man von Zeit zu Zeit irgendwelche Kerle im Bus antrifft, die gemütlich ihr Tütchen rauchen, die sind dem mentalen und physischen Stress im Bus nicht gewachsen, die brauchen Betäubung... (Mein Eindruck ist sowieso, dass hier jeder kifft!) Das ist dann aber eher abends. Da fahren die Busse seltener. Der Letzte fährt dann auch mal gar nicht (Bevor hier Kommentare kommen, ich rede NICHT von dem Sonntag, wo Roman und ich verpeilt haben, dass der Letzte früher fährt!!!).

    Zusammengefasst ist der einzige Unterschied zwischen deutschen und französischen Busfahrern der, dass man in Deutschland einen Personenbeförderungsschein braucht, in Frankreich zwei Jahre Berufserfahrung als Stock-Car-Racer!