La Rochelle

Dieses Wochenende (8.-10.Nov) haben Susan und ich genutzt, um La Rochelle und seine Umgebung zu erobern. Dienstag war Feiertag, wir haben halt ein langes Wochenende daraus gemacht, waren Montag abend zurück, das aber um am Dienstag das Gesehene zu verdauen und mal wieder ein wenig zu schlafen. Kulturprogramm ist halt doch anstrengender als das ewige Feiern!
 Ein wenig Photoscheu aber sichtlich gut gelaunt ging es los!
Über Landstrassen ging es Richtung La Rochelle. Zuerst fährt man durch die Côtes de Bourg und Côtes de Blaye. Die gehören zu dem Weinbaugebiet Bordeaux und sind wunderschön. Hügelige Landschaft mit Weinreben überall und vielen alten Dörfern, wie man sich französische alte Dörfer eben vorstellt, verwinkelt, ein kleiner Platz hier, die Häuser aus diesem hellen Kalkstein, die Zeit ist stehengeblieben (bei den meisten Kirchturmuhren war sie wirklich stehengeblieben!). Dazu ist hier im Moment alles sehr herbstlich, das macht die Natur farblich auch noch mal reizvoller. Aber Ausflüge in die Weingebiete stehen sowieso noch auf dem Programm, deshalb jetzt zu La Rochelle!

La Rochelle besteht vor allem aus Hafen. Das ist der Eindruck den man hat, wenn man sich in der Jugendherberge niederlässt, die am Port des Minimes ist. Dieser Port ist ca. 20 Minuten zu Fuss vom alten Hafen und der Altstadt entfernt. Dafür ist er riesig. Und alles Segelschiffe. Dazu sollte ich vielleicht erwähnen das Susan eher so zu den Segelfreaks gehört und für die La Rochelle einer Pilgerfahrt nach Mekka nahkam. Ich gehöre eher zu denjenigen, die ein Segelboot eindeutig von einem Motorboot unterscheiden können, die sich freuen, das ein Schiff schwimmt, sich aber sonst bisher wenig Gedanken über sowas gemacht haben. Trotzdem alles sehr schön, auch für Segelneutrale!
Nachdem das mit der Unterkunft geklärt war sind wir in die Stadt gelaufen. Hier einige Bilder:

Zwei Wahrzeichen der Stadt:Die Türme!

Ein paar schöne Gebäude
Nach einem Stadtrundgang haben wir den kulturellen Teil der Fahrt eingeleitet und das weite Angebot an regionalen Spezialitäten probiert. Erst in Form von Meeresfrüchten und Fischen die mal wieder köstlich waren (siehe Meeresfrüchte-Essen), später in flüssiger Form. Bars und Kneipen gibt es in La Rochelle in allen Farben und Formen, von der Eigenart um zwei Uhr zu schliessen abgesehen ist also für alles gesorgt. Das letzte Etablissement, das wir mit unserer Anwesenheit beehrten war wie ein altes, gemütliches Pub irgendwo an der Westküste Irlands nur auf Französisch. Es liefen französische Klassiker à la Jacques Brel, Brassens,... und war einfach nett. Hier kamen wir auf die Idee einen Cognac zu trinken, das Städtchen Cognac liegt ziemlich in der Nähe also muss man ja auch irgendwann sagen können, wie sowas schmeckt. Ausserdem hat es gerade geregnet und wir brauchten noch ein wenig Mut für den harten Heimweg; so einen kleinen Absacker, für den guten Schlaf. Der Chef-Barkeeper brauchte keinen Mut mehr, so wie der rumgefallen ist, brauchte der vor allem sein Bett. Nachdem Susan mir einen Teil ihres Cognacs überlassen hatte, da er für ihren Geschmack ein wenig zu stark war hatte sie noch einen kleinen Schluck in ihrem Glas, dieser letzte Schluck, der der beste ist, den man sich aufhebt, bis man geht... Aber dann erscheint der Barkeeper, schnappt sich Susans Glas in der Gewissheit ein leeres Glas in der Hand zu haben, schmeisst es seinem Kollegen hinter der Bar zu, was ein geübter Trick zu sein schien, die anderen Male auch funktioniert hat, diesmal aber aufgrund des fortgeschrittenen Zustandes des Barkeepers schief ging. So endete Susans wertvoller letzter Cognac-Schluck samt Glas an der Theke!

Es gibt Gesichtsausdrücke die es Wert sind, der Nachwelt übermittelt zu werden. Susans in diesem Moment gehört dazu; ich werde es ewig bereuen, in dieser Sekunde nicht meine Kamera griffbereit gehabt zu haben. Dieser hilflose, verdutzte, überrumpelte, protestierende und einfach überforderte Blick war einfach zu gut! Der Folgende Photo ist später entstanden und zeigt nur andeutungsweise, was ich sagen will:

Der nächste Morgen war der Île de Ré gewidmet, die eigentlich eher harmlos ist wenn man nicht gerade an den Strand will. Der Leuchtturm auf den man mit hochlobenden Schildern vorbereitet wird hat uns auch nicht unbedingt umgehauen:

Da gerade Ebbe war haben wir noch einen Spaziergang auf einem Fisch-Verarschungs-Deich unternommen. Der war viel besser. Ich habe einer Französin zugehört, die ihren Kindern gerade den Sinn dieser Steinhaufen erklärte. Ganz einfach: Bei Flut schwimmen die Fische einfach Nahe der Küste rum, ernähren sich von dem, was dort so wächst und schwimmt, bei einsetzender Ebbe schneidet der Deich ihnen den Weg ab, bald sitzen sie auf dem Trockenen und man braucht sie nur noch einsammeln. Dieser Spaziergang war gar nicht ohne, da man seine volle Konzentration braucht, um die Steine zu treffen und vor allem nicht abzurutschen und im Matschwasser zu landen und sich alle Gräten zu brechen. Besondere Vorsicht ist geboten, wenn man am Vorabend seine Kenntnisse in regionalen Getränken im Dienste der kulturellen Bereicherung weit vorangetrieben hat. Hier einige Eindrücke:

Der Nachmittag war der mairie gewidmet, die uns am Vortag durch ihre besondere Architektur aufgefallen war. Die Führung war toll und man hat viel über La Rochelle und seine Geschichte gelernt. Sehr empfehlenswert!

Das rechte Photo oben (Gebäude) ist auch die mairie!
Danach kam noch das Musée Maritime, was zwar ganz nett, aber nicht überwältigend ist. Der Abend war dann wieder eher kulinarisch geprägt (9. November und wir haben draussen mit Blick auf den alten Hafen abendgegessen, schönen Gruss nach Deutschland und in die Schweiz, immer schön brav die Mützen aufziehen und nicht vergessen Schnee zu schippen!).
Der Montag war nochmal sehr schön, das Aquarium, ein riesiger Meerestiere-Zoo mit Spezies aus aller Welt und in allen Grössen hat uns den Vormittag beschäftigt. Hier begann allerdings das harte Programm schon zu wirken, die Kommentare zu den bunten Fischen flachten von begeisterten ?toll, schau mal der blablabla, der ist ja elegant, lies mal, der ist giftig, hat nen tollen Namen, und so schön bunt? zu eher müden ?schau mal der da?, ?jaja, mmmh, schön? ab. Nachmittags ging es dann wieder Richtung Bordeaux, allerdings mit einem Abstecher zur Île d?Oléron. Die ist grösser als dei Île de Ré, prinzipiell gleich (flaches, sumpfartiges Hinterland, schöner Strand), hat aber mehr zu bieten, z.B. das Städtchen Le Chateau, welches mit einer schönen mittelalterlichen citadelle aufwarten kann. Auf dem linken Bild sieht man übrigens einen Teil des längsten Viadukt Frankreichs, über den man zur Insel gelangt: